Brenntemperaturen für Niedrigbrand- und Hochbrandtone
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In diesem Beitrag wollen wir weniger über ganz genaue Temperaturen und Brennkurven sprechen (die sind je nach Tonmasse verschieden – am besten immer das technische Datenblatt lesen oder den Lieferanten fragen). Stattdessen möchten wir ein paar Begriffe klären, nach denen ihr oft fragt.
Vor allem, weil der Brandablauf bei einem Niedrigbrand-Ton überhaupt nicht mit dem eines Hochbrandsteinzweugs vergleichbar ist.
Niedrigbrandtone (z. B. Terrakotta)
Schrühbrand
Ein typischer Schrühbrand könnte zum Beispiel so aussehen:
- Erhöhung der Temperatur um ca. 100 °C pro Stunde bis 500 °C.
- Danach Erhöhung um ca. 150 °C pro Stunde, bis du die vom Lieferanten empfohlene Temperatur erreichst.
Achtung:
So widersprüchlich es klingt: Niedrigbrandtone werden beim Schrühbrand oft auf höhere Temperaturen gebrannt als Hochbrandtone und Porzellane.
Niedrigbrandmassen enthalten viel organisches Material. Ein höherer Schrühbrand hilft dabei, diese Bestandteile gründlicher auszubrennen. Dadurch verläuft der spätere Glasurbrand in der Regel sauberer – mit weniger Nadellöchern und anderen Fehlern.
Deshalb kommt es bei Niedrigbrand-Tonen häufig vor, dass der Schrühbrand heißer ist als der zweite Glasurbrand. Das ist bei Hochbrandtonen wie Steinzeug oder Porzellan normalerweise nicht der Fall.
(Wie immer gilt: Schau dir das Datenblatt deiner Tonmasse genau an.)
Glasurbrand / Glasurbrand bei Niedrigbrand
Niedrigbrandglasuren werden meist bei etwa 1050–1080 °C gebrannt (also bei niedrigeren Temperaturen als Hochbrandmassen).
Eine typische Brennkurve wäre:
- Zuerst Erhöhung um ca. 100 °C pro Stunde bis etwa 450 °C.
- Ab dort kannst du auf die maximale Aufheizrate deines Ofens gehen, bis die Zieltemperatur erreicht ist.
Hochbrandtone und Porzellane
Schrühbrand
Bei Hochbrandtonen und Porzellanen muss der Schrühbrand nicht so hoch gefahren werden wie im Terrakotta-Beispiel oben.
Hochbrand (Glasurbrand)
Für den Hochbrand (Glasurbrand) bietet sich z. B. folgender Ablauf an:
- Erhöhung um ca. 100 °C pro Stunde bis ungefähr 450 °C.
- Danach kannst du auf volle Aufheizleistung stellen, bis du die vom Hersteller empfohlene Endtemperatur erreichst – in der Regel liegt sie bei 1200–1300 °C.
Bei Hochbrandtonen und Porzellanen gilt also: Der Glasurbrand liegt höher als der Schrühbrand, nicht umgekehrt.
Merke:
Diese Werte sind Richtwerte. Du solltest immer:
- das technische Datenblatt deiner Tonmasse lesen oder
- direkt den Hersteller bzw. Lieferanten fragen.
Wir hoffen, dass wir einige deiner Fragen ein wenig klären konnten. Das Thema ist riesig und voller Ausnahmen. Viele Keramiker:innen arbeiten nur mit einem einzigen „Ton-Typ“ (Niedrig- oder Hochbrand) – du musst keineswegs alle Varianten im Detail beherrschen.
Eine weitere Ausnahme sind die Drittbrände. Nach einem Hochbrand, wenn das Stück bereits glasiert ist, kann man zum Beispiel noch eine Dekor- oder Decal-Schicht aufbringen (sogenannte Überglasurdekore für den dritten Brand) und dafür einen dritten Brand bei niedrigerer Temperatur fahren, damit sich die Dekore einbrennen.
Kurz gesagt: Es gibt tausend Varianten. Am sinnvollsten ist es, zu vereinfachen und dich immer auf die konkrete Situation zu konzentrieren, die du gerade im Studio vor dir hast – statt zu versuchen, alle theoretisch möglichen Fälle gleichzeitig zu beherrschen.